The Nina Simone Web
   Rock Lexicon

 
Siegfried Schmidt-Joos, Barry Graves, Rowohlt, 1973  

Simone, Nina (voc, p), bürgerlich: Eunice Waymon, als sechstes von acht Kindern aines schwarzen Handwerkers und einer Methodistenpredigerin am 21. Februar 1933 in Tryon, North Carolina, gebore, hat ihren Weg zwischen Jazz und bluesgefärbter Popmusik gesucht--mit dem Ergebnis, daß sie in beiden Bereichen anerkannt, aber kein großer Star wurde.

Dabei sang sie traditionelle Blues ("Trouble in Mind"), schwarze Jazzstücke ("Work Song") und weiße Showmelodie ("Pirate Jenny") stets mit mehr Soulfeeling als fast jede andere Interpretin. Erst als sie sich Mitte der sechziger Jähre mit Afrofrisur und einem exzellent zusammengestellten sozialkritisch-politischen Repertoire zur musikalischen Bürgerrechtskämpferin wandelte und auch selbstgeschriebene oder von ihr vertonte Protestsongs ("Mississippi Goddam", "Old Jim Crow", "Backlash Blues", "Revolution") sowie Dylan-Songs tremolierte, wurde sie vom Rockvolk als Hohepriesterin der Soulmusik (LP-Titel) akzeptiert.

Ihre unverwechselbare Modulation hatte Nina Simone in der heimischen Gospelkirche gelernt, ihre hohes musikteoretisches Wissen geht auf Studienjahre am New York Juilliard-Konservatorium und am Curtis Institute of Music in Philadelphia zurück. Den Wunsch, Konzertpianistin zu werden, gab sie 1954 auf, als sie in einem Philadelphia-Nightclub zum erstenmal die emotionale Wirkung ihrer Altstimme erprobt hatte. "Mein ganzes leben lang", bekannte sie später, "habe ich herausschreien wollen, was es heißt, eingekerkert zu sein. Denn ich kenne die tödliche Stille des gesellschaftlichen Gefängnisses, in dem man als Farbiger lebt."


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